26.06.2022: Herz Jesu Fest

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
von wem haben sie zuletzt gesagt, dass er das Herz am rechten Fleck hat?
Jedenfalls ist es eine große Auszeichnung, wenn das von jemandem gesagt wird. Wie ist ein Mensch, der sein Herz am rechten Fleck hat?

Ja genau: Er sieht die Not und wenn er kann hilft er in der Not.

Ezechiel war wortgewaltig, ein Eiferer für Gott und damit zugleich für die Gerechtigkeit. Er lebte in turbulenten Zeiten:
Er war mit seinem Volk Israel aus Jerusalem nach Babylon verschleppt worden. Israel hatte keinen König mehr. Es gab kein Israel mehr.

In dieser schweren Zeit erhebt Ezechiel seine Stimme und verurteilt die Anführer seines Volkes, die durch ihre Untreue Gott gegenüber, durch ihre Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit gegen die Armen das Volk so geschwächt hatten, dass es sich nicht gegen die Babylonier zur Wehr setzen konnte.

Schwestern und Brüder, leider leben wir wieder in einer Epoche, in der eine kleine Zahl von Menschen Mittel und Wege gefunden hat, seinen eigenen Reichtum regelmäßig zu vervielfachen – aber auf Kosten der großen Zahl von Menschen, die auch durch fleißige Arbeit nur ein bescheidenes oder sogar unzureichendes Auskommen findet.

Während Millionen Menschen kaum noch wissen, wie sie Miete und Lebenshaltungskosten bestreiten, gibt es einige Zehntausend, deren größte Sorge es ist, ihren ständig wachsenden Reichtum zu verwalten.

Dies ist in unserem Land so, wo inzwischen selbst Ackerboden zum Spekulationsgut geworden ist. Erst recht ist es so, wenn wir betrachten, dass die reichen Länder des Nordens ihren Wohlstand ständig vermehren auf Kosten der armen Länder des Südens auf unserer Erde.

Diese immer reicher werdenden werden oft als die „Eliten“ bezeichnet:
Ja – es sind wenige auserwählte. Aber ob sie wirklich besonders klug, besonders weise, besonders mitmenschlich sind, muss man leider in Frage stellen.

Sie sorgen sich einfach um sich selbst und leben isoliert und ignorieren die Werte und Bedürfnisse und die Moral der Mehrheit der Gesellschaft.

Ezechiel der Prophet, erhebt seine Stimme – im Namen Gottes. Damit erhebt er einen unerhörten Anspruch:

Es wird kommen, dass die vielen Menschen, wieder zu ihrem Recht kommen. Es wird ihnen gut gehen, denn sie gehören zusammen und bleiben zusammen, sie werden Zeit zum Ruhen haben und sie werden finden, was sie zum Leben brauchen.

Niemand wird verloren gegeben, niemand wird vertrieben, verletzte werden verbunden und Kranke gestärkt.

Das ist die Gerechtigkeit, die Gott vorschwebt. Ezechiel sagt noch:
Das Fette und Starke werde ich vertilgen. Das bezieht er nochmal auf diese elitären Leute, die früher fast alles für sich beanspruchten und viel zu wenig für die Mehrheit übrigließen.

Das erinnert mich an das Magnifikat Mariens in dem es heißt:
Er erhöht die Niedrigen  und stürzt die Mächtigen vom Thron, die Reichen gehen leer aus und die Armen beschenkt er mit seinen Gaben.

Liebe Schwestern und Brüder, diese Lesung gehört zum Herz Jesu Fest, weil Gott sein Herz an uns verloren hat: Jesus ist für uns dieser gute Hirt, der niemanden zugrunde gehen lässt.

Vom Herzen Jesu zu sprechen ist nicht romantisch und verklärt: es ist handfest und anspruchsvoll und ziemlich ernst:

Denn Jesus verwirklicht auf seine Kosten die Verheißung des Ezechiel:
Er wendet sich den vielen ganz einfachen Menschen zu: den Juden und den Samaritern, den Fischern und Hirten, den Kindern und Frauen, den Landleuten, die aussäen und ernten.

In einem Gebet heißt es: Mach unser Herz dem Herzen Jesu ähnlich:
Wenn Gott diese Bitte erfüllt, dann wird etwas passieren:

Dann werden wir uns auf die Seite der Armen stellen,
dann werden wir die Ungerechtigkeit anprangern und für Gerechtigkeit eintreten, dann werden wir der Gewalt Widerstand leisten und der Versuchung sie mit Gewalt zu beantworten widerstehen.

14.06.2022: Fronleichnam

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
es wäre jetzt schön, wenn sie sich fragen: „Was wird der Pfarrer diesmal am Fronleichnamsfest predigen?“

Die Lehre von der Verwandlung der eucharistischen Gaben in Leib und Blut Christi? – das liegt ihm nicht.
Vom Zeichen des Brotbrechens? – Das hat er schon öfter erzählt.
Von der Fülle des Gaben Gottes, die niemals zu Ende gehen?

Ich möchte heute über die Prozession nachdenken:
Christen gehen betend und singend durch einige Straßen.

Früher war das ein Prunkzug. Man hatte Freude daran, möglichst viel Pracht zu entfalten – Weihrauch, Traghimmel, Kerzen, Monstranz, farbige Gewänder und geschmückte Häuser!

Da hat sich was geändert. Geschmückte Häuser gibt es fast gar nicht mehr.

Wenn wir heute durch die Straßen ziehen, sind wir viel bescheidener:
Zwar tragen wir den Himmel, die Monstranz, Weihrauch.
Wir machen uns aber auch Gedanken, ob wir manchen Anwohnern lästig sind.

Wir – die teilnehmende Gemeinde – sind heute wieder eine Minderheit in der Bevölkerung – vielleicht 1 oder 2% der Menschen, die in unserem Viertel wohnen. (Weniger als die Hälfte ist katholisch und davon kommen grade mal 5% zum Gottesdienst)

Wir, diese paar Dutzend Leute leben hier in diesen Straßen – unter den vielen. Und wir denken ein wenig anders. Wir sind ein wenig anders. Und wir handeln hoffentlich auch ein wenig anders.

Jedenfalls tragen wir einen Schatz mit uns – oder besser in uns: Die Überzeugung, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist und dass jeder Mensch Achtung verdient und Liebe.

Liebe Schwestern und Brüder, wir müssen ohne Zweifel erst lernen, wie wir als kleine Gruppe miteinander leben, Sorgen miteinander teilen und Freuden und miteinander überlegen, wie wir die Liebe Christi, das Reich Gottes, seinen Frieden miteinander teilen und mit den Menschen unter denen wir leben.

Wir lernen erst, dass wir den Schatz, den wir in uns tragen als etwas besonders erkennen. Als ein Geheimnis, das wir mit anderen teilen wollen.

Wenn wir also hernach unsere Prozession machen, kann sie für uns selbst ein Gleichnis werden:

Die Freude, dass wir Jesus nachfolgen,
die Freude, dass wir das wichtigste im Leben, die Liebe zum anderen, entdeckt haben,
ist wie ein Licht, das leuchtet.

Dieser Weg ist voll Freude, voller Hoffnung und voller Zuversicht.
So wie unsere Prozession, in der wir singen und beten und uns auch anstrengen – wie die Himmelträger, in der wir aufeinander schauen, dass wir zusammenbleiben – und was alles dazugehört.

05.06.2022: Pfingsten

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
in ihnen wirkt der Beistand, der Heilige Geist, die Kraft aus der Höhe.

Sie dürfen sich trauen, dies zu denken und zu glauben.

Jede und jeder kann privat und für sich eine Geschichte schreiben:
Was der Heilige Geist in ihm und durch ihn und mit ihm bewirkt hat:

Das Leben selbst,
dass sie ihre Talente und Fähigkeiten entwickeln und entfalten können,
dass sie das Leben annehmen können – den Alltag und ihr Schicksal;
dass sie ihre Mitmenschen annehmen können,
dass sie offen sind für andere und für das, was sie brauchen,
dass sie hilfsbereit waren und sind;
dass sie diesen Menschen in der Krankheit begleitet haben;
dass sie Trost spenden konnten und Mut machen;
dass sie an das Gute in der Welt glauben und es in anderen Menschen sehen und anerkennen können.

Ich ermuntere Sie dazu, dass sie sich Zeit nehmen und über das Wirken des Heiligen Geistes in ihnen und durch sie nachdenken.

Dabei werden sie wahrscheinlich auch aufmerksam dafür werden, wie der Heilige Geist in anderen und durch andere und mit anderen wirkt:

Natürlich gibt es Prominente Beispiele wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King oder Mutter Teresa.

Aber der Geist Gottes wirkt auch da, wo jemand die Kraft findet, jeden Tag neu seinen Aufgaben und seiner Verantwortung für andere nachzukommen.

Der Heilige Geist wirkt, wenn es Eheleuten gelingt, ihre gegenseitige Liebe über die Jahrzehnte hin zu üben und zu leben.

Der Heilige Geist wirkt in den Erziehern in den Kindergärten, in den pädagogischen Einrichtungen wie dem Pater Rupert Mayer Zentrum und unserem sozialpädagogischen Zentrum St. Leonhard.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich habe mir vorgenommen, dass sie in dieser Predigt ein Gefühl dafür entwickeln können,
dass der Heilige Geist, die Kraft aus der Höhe,
diese Welt und die Menschen durchströmt und durchwirkt,
wie die Strahlen der Sonne, die auch den Stein erwärmen und
wie die Gluthitze im Inneren unserer Erde, ohne die auf dieser Erde auch kein leben wäre.

Und ja. Natürlich. Es gibt Dunkel und Kälte. In den Streitereien zwischen uns, in der Gleichgültigkeit gegenüber anderen, in den Kriegen, in der ungerechten Verteilung der Güter dieser Erde, in der Kirche – wenn die wenigen Bischöfe ihre eigenen Gesetze für göttlich und nicht veränderbar erklären und sich weigern, auf das Volk Gottes zu hören, in dem der Heilige Geist ebenso wirkt wie in ihnen.

Und deswegen stimmt es:
Jede und jeder ist immer herausgefordert, zu unterscheiden:
In welcher Stimme kann ich die Stimme des Geistes erkennen?
Die Stimme des Heiligen Geistes, des Beistands, die Stimme,
die zum lebendig sein und lebendig machen ruft.

Wir brauchen die Kunst der Unterscheidung der Geister – und das ist manchmal sehr schwer, weil die Geister der Zerstörung und der Selbstsucht und der Rache oft sehr verlockende Angebote machen.

In unserer Gemeinschaft, in unseren Gebeten und Liedern,
im Hören auf das Evangelium und die ganze Heilige Schrift lernen wir,
und bleiben wir in der Übung, dass wir die Stimme des Heiligen Geistes erkennen und unterscheiden können.

Liebe Schwestern und Brüder,
An Pfingsten vollendet Jesus sein Werk.
Er hat immer Gottes Liebe verkündet –
nun aber wird klar: Gottes Geist ist da – überall – und in denen am Werk, die auf ihn hören. Lasst uns verkünden, welche große Taten jeden Tag in der Kraft Gottes geschehen.

29.05.2022: 7. Ostersonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
kennen sie die schönsten Plätze in Regensburg? Solche wo nicht alle Touristen hinlaufen. Stille, besonders stimmungsvolle Orte? – Wie zum Beispiel die Terrasse beim Rosengarten im Herzogspark?

Freunden erzählen wir gerne von solchen Entdeckungen, weil wir unsere Freude mit ihnen teilen wollen, weil wir ihnen einen Tipp geben möchten, damit sie das Erlebnis selbst machen und wir uns das nächste Mal davon erzählen können.

Befreundete Menschen erzählen sich gern gegenseitig von dem, was ihnen Freude macht. Dabei entsteht – im günstigen Fall – ein innerer Gleichklang. – Nämlich dann, wenn der Hörer sich mitfreuen kann.

Wenn wir Abschied nehmen, erinnern wir uns gern gemeinsam an schöne Zeiten und an Herausforderungen, die wir gemeistert haben.

So gestaltet das Johannesevangelium auch den Abschied Jesu von seinen Jüngern. Zuerst wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße und gibt ihnen ein Beispiel, dass auch sie einander dienen sollen.

Dann redet er mit ihnen über den Weg zum Vater und beteuert ihnen, dass sie seine Freunde sind, dass er sein Leben für sie hingibt.

Und dann wird es noch persönlicher: Jesus betet umgeben von den Jüngern zu seinem Vater. Es ist ein höchst persönliches, innerstes Gebet, an dem die Jünger Anteil haben.

Jesus betet darum, dass die Jünger bei ihm sein werden, dort wo er sein wird. Zu diesem Ort kann man nicht hingehen. Dies ist ein innerer Ort, eine innere Erfahrung, ein seelischer Zustand, eine Erfüllung, eine Erleuchtung, eine Freude, eine Kraft, eine Liebe, die bereit ist, bis zum äußersten zu gehen; eine Stärke, die auch größtes Leid ertragen kann, ohne sich zu verlieren.

Jesus sagt: „Diese Herrlichkeit habe ich meinen Jüngern gegeben, weil sie daran glauben, dass du sie ebenso liebst, wie du mich geliebt hast“.

So entsteht zwischen den Jüngern und Jesus und dem Vater eine innere Zusammengehörigkeit. Es ist dieselbe innere, seelische Erfahrung, die Jesus mit seinem Vater und mit den Jüngern teilt.

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist nicht so, dass diese innere Erfahrung der Herrlichkeit Gottes,
der Liebe, die alles erleuchtet, allen Menschen zugänglich wäre:

Das Evangelium spricht deshalb von der Welt, die erkennen soll, dass Gott die Menschen, die Jünger Jesu liebt.

Es gibt viele Menschen, die sich mit weniger zufrieden geben:
mit der Suche nach Abenteuern, nach Zerstreuung, nach oberflächlicher Befriedigung ihrer Sinne und Begehrlichkeiten. Auch wenn sie dadurch zum Spielball derer werden, die ihnen das versprechen.

Es gibt Menschen, die Herrschaft über andere mit Herrlichkeit verwechseln und deshalb andere Unterdrücken, töten, mit Gewalt überziehen, einschüchtern und viele andere Grausamkeiten verüben.

Es gibt Menschen, die Reichtum und Wohlstand und sich selbst eine heile Welt schaffen. Die aber die Augen verschließen vor dem Leid der anderen und die auch in Kauf nehmen, dass für ihre eigene heile Welt andere in Armut und Krankheit geraten.

Wenn ich ehrlich bin, erkenne ich das alles auch in mir selbst und muss mich andauernd bemühen und an mir arbeiten, dass ich in der Herrlichkeit bleibe, die Jesus seinen Jüngern gegeben hat:

Die Erfahrung von der Liebe durchdrungen zu sein:
Von der unbedingten Liebe, durch die mir das Leben geschenkt ist,
und zu der alle Menschen berufen sind, sie anderen zu schenken.

26.05.2022: Christi Himmelfahrt

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Wir alle kennen die Bilder, wie Christus in eine Wolke hinein entschwebt. Die Künstler malten, was sie im Text des Evangeliums lasen.

Auch wenn wir uns das nicht bewusst machen, merken wir intuitiv, dass das Neue Testament keinen physischen Vorgang beschreibt: Die Wolke – ist ein Zeichen des himmlischen, des ganz anderen.

Mir ist aufgefallen, dass das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte einen eklatanten Unterschied haben:
Im Lukasevangelium ist es so, dass die Auferstehung und die Himmelfahrt an einem Tag sind.
Die Apostelgeschichte hingegen spricht von 40 Tagen an denen Jesus seinen Jüngern erschien. Am 40. Tag wurde er in den Himmel emporgehoben.

Dazu kommt: Lukas hat diese beiden(!) Bücher geschrieben.

Das ist ein schlagender Beweis dafür, dass es ihm nicht darum ging, bestimmte Ereignisse in Ort und Zeit zu beschreiben.

Die Zahl 40 weckt Erinnerungen:
Das 40 Tägige Fasten in der Wüste, der 40jährige Zug Israels durch die Wüste fallen einem sofort ein.

40 – das ist die Zahl der Fülle. Es ist eine erfüllte Zeit! Eine Himmelszeit!

Ich möchte mir zur Himmelfahrt Jesu überhaupt kein Bild und keine Umstände vorstellen, denn mir bedeutet das viel mehr:

Ich kann mir nichts anderes denken und vorstellen, als dass Jesus im Himmel ist:
Von Gott im Himmel ist er ausgegangen und zu Gott im Himmel kehrt er zurück. Und zwar so, wie er gelebt hat: Mit den Wunden, die ihm geschlagen wurden, weil er sich nicht angepasst hat.

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat den Himmel auf die Erde gebracht:
dadurch wie er dachte, wie er fühlte, wie er handelte.
Er hat den Menschen den Glauben an das Gute zurückgegeben:
Den Glauben an das Gute in sich selbst.

Genauso hat Jesus die Menschen und ihre Welt in den Himmel gebracht.

Jesus ist ein himmlischer Mensch. Er hat sichtbar und hörbar und spürbar gemacht, was im Himmel alleine zählt.

Im Himmel zählt nicht,
wieviel einer besessen hat und was er sich leisten konnte;

Im Himmel zählt nicht,
über wie viele Menschen jemand herrschte und wie groß sein Reich war;

Im Himmel zählt nicht,
wie viele Menschen jemand für Recht und Gerechtigkeit getötet hat.

Im Himmel zählt:
wen hast du geschätzt? Mit wem hast du geteilt?
wen hast du geheilt? Wen hast du getröstet?

Jesus war nicht nur ein himmlischer Mensch –
er hat uns auch gezeigt, dass wir selbst himmlische Menschen sein können: Wir können alle den Himmel auf die Erde bringen und so unsere Welt mit in den Himmel bringen.

22.05.2022: 6. Sonntag der Osterzeit

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung:
Schön, dass wir wieder zusammengekommen sind.
Schauen sie neben und hinter sich. Grüßen sie einander mit einem freundlichen Blick. Es ist ein großes Geschenk, dass wir den Glauben teilen, dass wir gemeinsam Jesus nachfolgen,
dass wir versuchen in seinem Geist zu leben:
erfüllt von seinem Frieden:

Es ist gut, dass wir da sind,
weil uns das Leben von dem guten Gott geschenkt ist.

Es ist gut, dass wir da sind, in dieser Zeit,
in diesen Lebensumständen. Wir danken Gott für unser Leben:

Herr, du bist das Wort, das alles ins Leben ruft.
Du bist die Kraft, die in uns wirkt.
Du lädst uns ein an deinen Tisch.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
als Jugendlicher ging in der St. Wolfgangskirche in Landshut in die Sonntagsmesse. Im Altarraum vorne war ein wandfüllendes Bild vom himmlischen Jerusalem – so wie es in der Lesung gerade beschrieben wurde. Es ist sehr hell und freundlich und einladend.
In der Mitte ist keine Kirche, kein Dom, kein Tempel, sondern Christus:

Liebe Schwestern und Brüder, daran möchte ich uns erinnern:
Gott braucht keine Wohnung. Gott braucht kein Kirchengebäude, um unter uns Menschen sein zu können. Denn Gott ist überall gegenwärtig.
Wenn wir „Gotteshaus“ sagen, sind wir in Gefahr, ein falsches Bild zu entwickeln: Als ob Gott in der Kirche wohnen würde und nicht „in ihrer Wohnung“.

Gott, ist da, wo Menschen leben, Gott ist da, wo Leben ist,
Gott ist da wo Menschen lieben, Gott ist da wo Liebe ist,
Gott ist da, wo Menschen hoffen, Gott ist da, wo Hoffnung ist.
(Detlev Jöcker)

Das ist großartig! Davon bin ich begeistert!

Zugleich bedeutet das, dass jeder Mensch direkt und unmittelbar mit Gott verbunden ist und sozusagen in seinem Licht lebt. Sie brauchen keine Mittler, um mit Gott in Kontakt zu treten.

Das ist wieder wichtig: im christlichen Glauben gibt es keine Rangordnung in der Nähe zu Gott. Sie dürfen ruhig scherzen und sagen, der Pfarrer wäre zuständig fürs schöne Wetter beim Pfarrfest, weil er einen besonderen Draht zu Gott habe. Aber: Das ist ein Scherz, der sich zurecht über den Anspruch amüsiert, Priester seien wegen ihres Amtes oder ihrer Weihe Gott näher – welch unangemessener Standesdünkel.

Ganz im Gegenteil: Gott schenkt seinen Geist jedem Menschen, jedem Lebendigen – und zwar ganz, nicht in Portionen. Dieser Geist weckt in uns die Sehnsucht nach dem Guten, nach Gerechtigkeit, nach Frieden.
Dieser Geist gibt uns die Kraft, anderen Gutes zu tun, gerecht zu handeln und zu urteilen und den Weg zum Frieden zu gehen.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Stichwort „Frieden“ ist in diesen Monaten problematisch. Wir sind Zeugen des Unfriedens und müssen zumindest daran denken, dass die Gewalt auch zu uns vordringen kann. Hoffentlich bleiben wir davor verschont. Hoffentlich aber machen die Menschen der Gewalt in der Ukraine bald ein Ende.

„Frieden hinterlasse ich euch“ sagt Jesus zu den Jüngern.

Was ist dieser Friede, der anders ist als der Friede, den die Welt gibt?

Jesus hatte diesen Frieden in sich. Den Urgrund dieses Friedens hat er oft genannt: „Mein Vater liebt mich und ich habe seine Gebote gehalten, weil ich ihn liebe.“
Wir Jünger Jesu sollen verstehen: Der Vater liebt jeden von uns genauso wie Jesus und wir erwidern seine Liebe, wenn wir seine Gebote halten.

So wohnt der Friede Christi in uns – der stärker ist als aller Unfriede, den Menschen in der Welt anrichten können.

Eines ist klar: Wer diesen Frieden in sich hat, dem ist es unmöglich, einem anderen Menschen absichtlich Schaden zuzufügen.
Dieser Friede drängt danach, Schaden vom anderen fernzuhalten und dem anderen Gutes zu tun, Frieden zu bringen.

In dieser Welt wird es aber immer Menschen geben, die nach Macht und Herrschaft über andere streben, die Gewalt anwenden, um ihre selbst­süchtigen Ziele zu erreichen.
Das ist sehr schwer für die, die sich nach Frieden sehnen.

Die Frage nach Gegenwehr oder Gewaltverzicht ist ein Dilemma, vor dem wir immer wieder stehen: Nicht nur Kriegsparteien, sondern auch in unserem privaten Leben. In jedem Streit stehen wir vor dieser Frage.

Jesus hat für sich entschieden, sich und der Liebe seines Vaters treu zu bleiben: Er stand ein für seine Botschaft und genau deshalb erwiderte er die Feindschaft nicht. Darin liegt sein Sieg. Es braucht viel Mut, um diesen Weg zu gehen. Und den Frieden, der von Gott kommt.

Fürbitten

Lektorin: Guter Gott, in dir ist keine Spaltung. Du bist der Friede und von Dir geht Friede aus.
Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Menschen in der Ukraine, dass sie den Krieg beenden und den Frieden suchen und dass die Angreifer von ihrem Unrecht ablassen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle Menschen, die unter Krieg leiden und Krieg führen,
    dass sie aufhören einander zu töten.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für alle zerstrittenen Menschen, dass sie versuchen den Streit auch vom Standpunkt des anderen zu sehen und eine gerechte Lösung suchen.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für unsere und für alle christlichen Kirchen: dass wir auf die Stimme des Heiligen Geistes hören und in seiner Kraft das Gute tun.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

  • Wir beten für die Bischöfe: dass sie hellhörig sind und wahrnehmen und achten, was der Heilige Geist in den Glaubenden wirkt. Wir beten, dass sie nicht glauben, etwas Besonderes und besser zu sein.

Alle: Herr sende deinen Geist aus und die Erde wird neu!

Priester: Gott, dein Geist wirkt in uns das Leben. Jedem hast du die Gabe verliehen. Wir wollen auf deine Stimme hören und loben dich und preisen dich, weil du mitten unter uns lebst. Amen.

01.05.2022: 3. Ostersonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Einführung: Liebe Schwestern und Brüder!
In der Kälte brauchen wir einen Ort, um uns zu erwärmen,
im Dunkel suchen wir nach einem Ort, wo es hell ist,
wenn wir Hunger haben, suchen wir nach etwas zu essen,
wenn wir Durst haben suchen wir nach etwas zu trinken:

Zurecht nennen wir den Geist Feuer, das uns wärmt und Jesus das Licht der Welt. Er ist das Brot des Lebens und er wird in uns zur sprudelnden Quelle, die uns ewiges Leben schenkt.

Lassen wir jetzt unsere Seele wärmen und erleuchten,
lassen wir uns den Hunger stillen, nach einem Wort das uns Mut macht;
lassen wir unseren Durst nach Leben löschen: nach der Gewissheit, dass es gut ist zu leben.

Ansprache: Liebe Schwestern und Brüder,
Manchmal mache ich mir einen Spaß: Ich erzähle von irgendetwas – aber mache nur so unklare Andeutungen, dass niemand verstehen kann, was ich zu erzählen habe. Manchmal sagt man dann zu mir: „Du sprichst in Rätseln!“ So könnte man auch zu den Verfassern des Johannesevangeliums sagen: „Du sprichst in Rätseln!“.

Das Joh.Evangelium verwendet Wörter öfter in einem übertragenen Sinn verwendet, den die Hörer nicht verstehen (können):
Ich gebe dir lebendiges Wasser: wenn du davon trinkst, wirst du nie mehr Durst haben. Ich bin das Brot des Lebens. Wer davon isst, wir nie mehr hungrig sein. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben.

„Fischen“ bedeutet nicht unbedingt „Fischen“ und „Fisch“ nicht einfach „Fisch“.

Der Satz „Die Jünger gingen fischen und fingen nichts“ erzählt nicht vom leeren Netz. Wovon dann?

Vielleicht von der Situation der Jünger. Sie hatten durch Jesus viel gelernt – aber jetzt war Jesus nicht mehr da. Ihr früheres Leben – ihr früheres Denken und Urteilen – das ging nicht mehr. Das konnte sie nicht mehr erfüllen. Es wäre wie ein erfolgloser Fischzug.

Jesus und alles, was sie von ihm gelernt hatten, wirkte weiter: Bleibt in meiner Liebe. Wer den Willen meines Vaters tut, bleibt in meiner Liebe.
Das Gebot Jesu hieß: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!

Dieses neue Leben erfüllte die Jünger Jesu – auch nachdem er nicht mehr bei ihnen war. Das wurde ihre Nahrung. Ihr Leben hatte eine neue Überschrift: Die alte war: „Du musst die Gebote halten, damit Gott dich liebt!“ Die neue Überschrift heißt: „Gott liebt dich. Darum hören wir auf ihn und handeln aus Liebe!“

Das ist die Erklärung dafür, wie die kleine Jüngergemeinschaft in kurzer Zeit groß werden konnte. Warum immer mehr sich ihnen anschlossen. Das ist auch heute der Grund, warum Menschen Christen werden und sind und bleiben.

Es stimmt nämlich: Man kann niemand zum Glauben überreden oder mit Argumenten überzeugen. Aber wenn man den Menschen begegnet, um für sie da zu sein. „Was kann ich für dich tun?“ berührt man die Herzen und gewinnt Freunde ‑ nicht für sich, sondern für Jesus und das ewige Leben, das er schenkt.

Liebe Schwestern und Brüder, ich glaube, in dieser Geschichte geht es vor allem um eines: Die Jünger glauben dem Wort Jesu und folgen ihm –
und finden so ein erfülltes Leben und viele Menschen, die ebenfalls hungern und dürsten.

Man kann verschiedene Schlussfolgerungen ziehen. Ich versuche es so:

Wenn wir auf Jesus hören und den anderen Menschen im Blick haben und sehen, was er braucht, was ihm fehlt, was ihn bedrückt und krank macht, dann wird uns viel mehr geschenkt: Menschen, die mit uns glauben und hoffen.

Und zugleich werden wir merken: Es ist es, der in uns gewirkt hat.
Er ist es, der uns stärkt und nährt und nicht nur uns, sondern auch die, die unsere Freunde geworden sind.

Im Matthäusevangelium heißt es: Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes, dann wird euch alles andere dazugegeben.
Bei seinem Abschied sagt Jesus: Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.
Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt:

Das ist die gleiche Botschaft, wenn auch in ganz anderer Sprache.

Beginnen wir auch diese Woche und suchen wir die Gelegenheiten, was wir für unsere Angehörigen, Freundinnen, Kollegen tun können. Amen.

Fürbitten

Lektorin: Gott, wir haben die Botschaft Jesu gehört. Es fällt uns schwer, ihm zu glauben, nachdem er nicht mehr in der Welt ist. Es fällt uns schwer, zu glauben, dass seine Worte wahr sind und von dir kommen. In unseren Ängsten und Zweifeln beten wir:

  • Für alle Getauften, die den Heiligen Geist empfangen haben: dass sie nicht mehr für sich leben, sondern Vergebung bringen und neue Hoffnung wecken.
  • Für die Menschen, die in der Ukraine und an vielen Orten der Erde in Kellern und Bunkern sitzen und ausharren und Angst um ihr Leben haben müssen: dass sie einen starken Geist haben und nicht innerlich zerbrechen.
  • Für die Menschen in den Flüchtlingslagern in Mali, im Jemen, im Libanon, in Griechenland: dass sie die notwendige Hilfe erfahren, um zu überleben und dass ihnen der Weg aus den Lagern in eine bessere Zukunft geöffnet wird.
  • Wir beten auch für die Menschen in Deutschland, die immer noch unter den Folgen der Überschwemmungen im vergangenen Jahr leiden:
    dass sie ein neues Heim finden und nicht allein gelassen werden.
  • Wir beten für die ungezählten Menschen, die notleidenden Helfen: als freiwillige Helfer oder in den Hilfsorganisationen: dass sie durch die Anerkennung und den Dank immer wieder neue Energie für Ihr Engagement erhalten.

Pr.: Guter Gott, du bist allezeit bei uns und dein Geist ist in uns, damit wir teilen, trösten, helfen, heilen. Wir danken Dir für deine Kraft und Stärke. Amen.

24.04.2022: 2. Ostersonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Ich möchten ihre Blick auf die kurze Sammelerzählung aus der Apostelgeschichte richten: es wird erzählt, dass Scharen von Männern und Frauen zum Glauben an Jesus Christus, den auferstandenen Herrn geführt wurden. Schier unglaublich wirkt die Bemerkung, dass man die Kranken auf die Straße legte und sie gesund wurden, wenn der Schatten des Petrus auf sie fiel.

In dieser Weise kann ich das auch nicht für bare münze nehmen. Was ich aber erkenne ist, die Absicht der Apostelgeschichte: Die Apostel und die kleine und erst seit kurzer Zeit sich findende Gemeinde um die Apostel setzen das fort, was Jesus getan hat:
Sie wenden sich den Kranken zu, weil sie eben nicht von Gott gestraft sind.
Ganz im Gegenteil: Gott will ja, dass die Menschen heil sind und durch Gottes Kraft werden sie heil.

Und sie verkündeten die Auferstehung Jesu und dass er der von Gott verheißene Retter ist: Und zwar, weil er zeigte, dass niemand von Gottes Liebe ausgeschlossen ist und dass niemand von einem anderen behaupten darf, dass er von Gott verstoßen sei.

Liebe Schwestern und Brüder,
aus diesem Grund handelt jeder Mensch gegen Gott, der einem anderen Gewalt antut oder ausschließt oder verachtet oder verurteilt: Er tut so, als ob der andere vor Gott nicht zählen würde, als ob der andere Gott nicht wertvoll wäre, als ob der andere nicht auch Gottes Kind wäre.

Das ist ein Verrat an Gottes unbeschränkter Liebe! Für Krieg und Mord und Totschlag leuchtet das sofort ein. Doch auch, wer den Mitmenschen gängelt, ihm das Leben schwer macht, ihm ständig Unvermögen und Unfähigkeit vorwirft und alle Fähigkeiten in Abrede stellt –
nimmt einem anderen Menschen das Selbstvertrauen und leugnet, dass er die gleichen Rechte hat und genauso wertvoll ist.

Manchmal geraten wir in Zweifel, ob diese Botschaft wirklich wahr ist.
Manchmal sind wir in Versuchung, zu denken, dass Menschenfreundlich-keit und Anstand, Rücksicht und Respekt zu nichts führen, weil die Gewalttätigen doch die Herrschaft an sich reißen und die anderen unterdrücken.

Es geht uns so, wie es das Johannesevangelium von Thomas erzählt, der bezweifelte, was ihm die anderen erzählten: Wir haben den Herrn gesehen. Thomas zweifelte! Doch in der Gemeinschaft der anderen machte er die gleiche Erfahrung: Was Jesus verkündete ist wahr – gerade, weil er dafür getötet wurde. Sein Leiden und sein Tod sind kein Gegenargument, sondern vielmehr der deutlichste Beweis dafür.

Das Johannesevangelium erzählt, wie die Apostel von Jesus beauftragt werden: Die Szene erinnert an die Erschaffung des Menschen, dem Gott den Lebensatem in die Nase blies. Johannes schildert eine feierliche, geradezu rituelle Szene: Jesus erscheint, er grüßt mit dem Friedensgruß und er gibt den Auftrag, den Menschen die Sünden zu erlassen – also Frieden zu bringen und Versöhnung!

Liebe Schwestern und Brüder,
dazu ist die Kirche gesandt: Frieden zu bringen und Versöhnung – nicht wie die Herrscher dieser Welt dies tun, sondern so wie Jesus es getan hat:

Ohne Waffen! Ohne Gewalt! Ohne Ausgrenzung!
Was immer auch jemand bisher ist oder wahr: wenn er dem Ruf folgt und den Frieden annimmt, gehört er zu Gottes Reich.
Künftig wird er mit den Besitzlosen teilen und sich um die Kranken kümmern.

Und deshalb liebe Schwestern und Brüder, dürfen wir und darf auch das Lehramt der Kirche niemanden wegen bestimmter Eigenschaften ausgrenzen: weder aus unserer Gemeinschaft im Glauben noch von Aufgaben in unserer Gemeinschaft. Entscheidend ist allein, ob ein Mensch dem Ruf Jesu folgt und den Frieden annimmt, den Jesus seinen Jüngern zuspricht.

17.04.2022: Ostersonntag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
Gelobt sei Gott! Gepriesen und Verherrlicht sei Gott auf dieser Erde!
Dieser Ruf ist angemessen – heute genauso wie irgendwann sonst:

Gelobt sei Gott für Jesus Christus! – Ich finde keinen Grund dieses Lob zu beenden oder verstummen zu lassen. – Ganz im Gegenteil: Es muss die Welt erfüllen! Es muss lauter erschallen als das Geplärr der Wut, der Angst, des Zorns, des Hasses.

Jesus ist auferstanden!
Der auf Gott gehört hat und alles gesagt hat, was Gott ihm ins Herz gegeben hat – ER lebt!
Der für die Wahrheit Zeugnis abgelegt hat, dass Gott ihn liebt und dass jeder Mensch Gott unendlich wertvoll und kostbar ist – Er lebt!

Liebe Schwestern und Brüder!
Denken wir an die Zeichen, die  Jesus in seinem Leben gewirkt hat!
Erinnern wir uns an seine Botschaft: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, wer davon isst, hat das ewige Leben.
Wir haben sein Gebet gehört:
Bleibt in meiner Liebe, so wie ich in der Liebe des Vaters bleibe.

Wenn unser Herz nicht völlig taub ist und unser Geist nicht völlig stumpf, dann merken, spüren, ahnen und verstehen und erkennen wir:

Jesus hat die Wahrheit gesagt:

Gott schenkt ewiges Leben – kein Wegwerf – Leben.

Deshalb kann es auch gar nicht anders sein, als so, wie wir es bekennen:
Jesus lebt. Er ist auferstanden. Gelobt sei Gott. Halleluja.

Die Auferstehung und die wundersamen Geschichten, wie er seinen Jüngern erscheint, die Erzählung vom leeren Grab – alles das ist nicht der Grund, für den Glauben, dass Jesus lebt:

Diese Geschichten drücken aus, was gar nicht anders denkbar ist:
Jesus lebt! Gott sei gelobt!

Ich glaube nicht an das leere Grab, und auch nicht weil es leer war;
ich glaube auch nicht weil oder daran, dass Jesus nach seinem Tod einen Fisch vor den Augen der Jünger gegessen hätte.

Ich glaube an Jesus und an die Wahrheit, für die er Zeugnis abgelegt hat.

Und diese Wahrheit ist:
Gott ist das Leben und das Leben ist stärker als der Tod.
Könnte es sonst überhaupt Leben geben? Warum sollte etwas am Leben sein, wenn der Tod stärker wäre als das Leben?

Nun also leben wir und mit uns die Hasen und die Katzen und die Tulpen und die Narzissen und das überaus bewundernswerte Gänseblümchen.
Gelobt sei das Leben, Gelobt sei Gott, von dem das Leben kommt.

Liebe Schwestern und Brüder,
Jesus hat Gott verherrlicht in dieser Welt: Er hat Gott über alles gestellt. Er hat das Leben über alles gestellt.
Gerade durch sein Leiden und Sterben hat er verkündet, dass Gott das Leben ist und dass das Leben stärker ist als der Tod.

Und, liebe Schwestern und Brüder,
heute treten wir in die Fußstapfen Jesu und stellen Gott, stellen das Leben über alles. Durch uns soll Gott verherrlicht werden in dieser Welt.

Durch die Nächstenliebe, die Feindesliebe, die Gottesliebe und den Glauben an seine Liebe, die Leben schenkt, verherrlichen wir Gott und sorgen dafür, dass sein Name groß wird unter den Menschen.

Wir verherrlichen Gott, wenn wir dem Mitmenschen etwas Gutes tun.
Wir verherrlichen Gott, wenn wir den Feind nicht töten, sondern ihn zum Freund machen.
Wir verherrlichen Gott, wenn wir ‑ so wie Jesus ‑ auch in der Krankheit, in der Enttäuschung, in der Angst beten: Vater, ich will deinen Willen tun; ich glaube an die Liebe, an deine Liebe zu mir und zu meinem Mitmenschen.

Gelobt sei Gott, Gepriesen und Verherrlicht auf der ganzen Erde!
Gelobt sei Jesus, den er gesandt hat, um uns aus den Fängen des Todes zu retten. Amen.

FÜRBITTEN

Lektorin: Wir sind voller Dankbarkeit, dass wir an Jesus und seine Auferstehung in Gottes Herrlichkeit glauben dürfen. Wir denken an die Menschen und ihre vielen Nöte und beten:

  • Für die christlichen Kirchen in Deutschland und in ganz Europa:
    Dass sie selbst die Hoffnung auf das Leben bewahren und diese Hoffnung unter den Menschen verbreiten.
  • Für die Erneuerung unserer Kirche in Deutschland: dass wir uns immer wieder auf den Kern unseres Glaubens besinnen und besonders den Ärmsten mit Liebe begegnen.
  • Für die Menschen im Krieg: dass sie die tödliche Gewalt beenden und dass möglichst viele Menschen überleben.
  • Für die Frauen und Kinder und Männer, die von Hunger bedroht sind: dass sie erhalten, was sie zum Leben brauchen, weil wir mit ihnen teilen.
  • Für die Menschen, die in der österlichen Zeit getauft werden, für die Erstkommunionkinder und für die jungen Leute, die sich auf die Firmung vorbereiten: dass der Glaube an Gottes Liebe sie in ihrem Leben leitet.
  • Für unsere Gemeinde, dass wir Wege finden, wie wir froh unseren Glauben gemeinsam Ausdruck geben und dass sich uns wieder mehr Menschen anschließen.

Pr.: Gott, wir loben und preisen dich. Alle Tage verkünde unser Leben dein Lob durch Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

15.04.2022: Karfreitag

Hier geht es zu den Texten der Liturgie:

Liebe Schwestern und Brüder,
es ist der Freitag des Leidens Jesu und der Trauer um ihn, den König seines Volkes, der gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.

Für welche Wahrheit?

Jedenfalls nicht das, was menschenverachtende Herrscher als Wahrheit ansehen: dass sie ihre Macht immer weiter vergrößern müssen,
und dass deshalb alle Menschen, die sie als Hindernis betrachten, verfolgt, verleumdet, eingesperrt und auch getötet werden.

Auch nicht das, was viele Menschen als Wahrheit ansehen: dass sie möglichst viel aus dem Leben in der Welt herausholen: Reichtum und Luxus ohne Grenzen. Sie sehen den Mitmenschen als Konkurrenten, mit dem sie darum kämpfen, wer mehr für sich herausholen kann.
Das ist die Welt der Kapitalisten.

Auch die Lethargie der vielen Menschen, die es nicht zu Macht und Reichtum bringen ist nicht die Wahrheit Jesu: Sie sagen, dass, die Mächtigen und Reichen und Rücksichtlosesten am Ende gewinnen und fügen sich diesen Regeln und versuchen einigermaßen zu überleben.

Was ist die Wahrheit, für die Jesus Zeugnis ablegt?

Liebe Schwestern und Brüder, die Antwort ist gar nicht so leicht.
Das Johannesevangelium spricht zwar immer wieder von der Wahrheit:
Sie kommt durch Jesus und sie führt zum Licht. Gott will in der Wahrheit angebetet werden. Jesus ist sogar die Wahrheit und er betet für seine Jünger um den Geist der Wahrheit.

Schwer oder kaum zu finden ist aber eine Erklärung, dass Jesus sagen würde: Die Wahrheit ist …..

Im Johannesevangelium habe ich dazu zwei Grundaussagen gefunden:

Jesus ist vom Vater gesandt, um ihn zu verherrlichen. Er und der Vater sind eins.

Und zweitens: Jesus ist von seinem Vater geliebt und liebt den Vater und tut allein das, was sein Vater ihm aufträgt. Deshalb gibt er sein Leben hin, wie ein guter Hirt, der für seine Schafe kämpft und wie ein Weizenkorn, das vergeht, um reiche Frucht zubringen. Jesus tut alles aus Liebe zu seinem Vater und weil er von seinem Vater geliebt wird.

Jesus liebt seine Jünger, wie der Vater ihn liebt und die Jünger sollen den Vater und einander in gleicher Weise lieben.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich versuche das Ganze für mich zusammenzufassen:

Die Wahrheit Jesu ist, dass er von seinem Vater geliebt wird und dass der Vater durch ihn allen, die ihm glauben, seine Liebe und sein Leben schenkt. Aus dieser Liebe findet Jesus die Kraft, den Mächten dieser Welt zu widerstehen und aus Liebe sein Leben hinzugeben.

Liebe Schwestern und Brüder, was bedeutet das konkret?

Ist das noch eine Frage?

Liebe ist doch konkret, oder?
Liebe heißt: Du bist mir so wichtig, wie ich selbst mir bin und wie du und ich Gott wichtig sind.
Liebe heißt, ich tu alles für dich.
Und göttliche Liebe heißt: Ich schließe niemanden davon aus.

Wir erleben, wie grausam die Welt wird, wenn der Glaube an diese Wahrheit erlischt. Dann geht es nur noch darum, wer mit größerer Gewalt den Mitmenschen als Feind hasst und tötet und bezwingt.
Das ist die teuflische Wahrheit, auf die wir nicht hereinfallen sollen.
Denn diese Wahrheit bringt Tod und Verderben. – Auch wenn Sie uns jetzt als Rettung angepriesen wird.

Die Wahrheit Jesu ist, dass die Welt durch die Liebe lebt und am Leben bleibt. Dafür lohnt es sich zu leben und sogar zu sterben
– aber nicht zu töten.